Grabenhofer-Eggerth, Alexander; Tanios, Aida; Sagerschnig, Sophie; Kern, Daniela; Valady, Sonja (2019): Konzept für eine gesamthafte Lösung zur Organisation der psychologischen und psychotherapeutischen Versorgung. Gesundheit Österreich, Wien.

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Abstract

Hintergrund/Aufgabenstellung *** Psychische Erkrankungen haben als Ursache für Krankenstände und frühzeitigen Pensionsantritt in den letzten 20 Jahren stark zugenommen. Die Unterstützungs- und Behandlungsangebote wurden im gleichen Zeitraum zwar deutlich ausgebaut, jedoch nicht durchgängig im erforderlichen und im Sinne der gesundheitlichen Chancengerechtigkeit notwendigen Ausmaß. Im Zuge der Arbeiten zum österreichischen Gesundheitsziel 9 „Psychosoziale Gesundheit bei allen Bevölkerungsgruppen fördern“ wurde von BMASGK, HVB und WGKK gemeinsam als Maßnahme beschlossen, einen Anlauf zu einer bundesweiten Weiterentwicklung der Sachleistungsversorgung mit klinisch-psychologischer Diagnostik und Psychotherapie zu nehmen. Der Fokus der Arbeiten der GÖG lag dabei auf der Frage, wie die kassenfinanzierte Sachleistungsversorgung mit Psychotherapie organisatorisch gestaltet sein kann, damit Patientinnen und Patienten so schnell wie möglich an den best point of service gelangen. *** Methoden *** Gemeinsam mit allen Stakeholdern (inkl. Betroffenen und Angehörigenvertretung) wurden die aktuellen Problemlagen beschrieben, Kriterien zur Bewertung der Stärken und Schwächen bestehender Versorgungsmodelle entwickelt und anschließend Modelle guter Praxis ausgewählt, die genauer untersucht werden sollten. Mittels Interviews sowie Literatur- und Internetrecherchen wurden die Modelle anhand dieser Kriterien beschrieben und ihre Vor- und Nachteile bewertet. Auf Basis der Bewertungen wurde aus Bausteinen der untersuchten Modelle ein neues Modell entwickelt. *** Ergebnisse/Modellentwicklung *** Das aus den besten Elementen der untersuchten Modelle zusammengesetzte „Puzzle-Modell” sieht zwei parallele Zugangswege zur Sachleistungsversorgung in der Psychotherapie vor: Ein Weg führt über Erstberatungs- und Clearing-/Assessmentstellen (idealerweise in One-Stop-Shops) und orientiert sich an den Modellen von Vorarlberg, Tirol und Oberösterreich. Der zweite Weg führt direkt über die niedergelassenen Therapeutinnen/Therapeuten und orientiert sich am Modell Salzburg. *** Diskussion/Empfehlungen *** Das „Puzzle-Modell“, das auf das gesamte psychosoziale Hilfsspektrum Augenmerk legt und multidisziplinär gestaltet ist, soll helfen, „Irrwege“ Hilfesuchender zu verhindern und sie dabei unterstützen, so schnell wie möglich zum jeweiligen best point of service zu gelangen. In Kombination mit definierten Anforderungen an die Ausbildung sollte es auch soweit steuernd wirken, dass die Kontingentierung der Leistung aufgehoben werden kann. Eine Pilotierung der Umsetzung sollte in mehreren Regionen durchgeführt werden. Da die Unterschiede zwischen Leistungen von Psychotherapie, klinisch-psychologischer Behandlung und psychotherapeutischer Medizin für Patientinnen und Patienten kaum nachvollziehbar sind und eine Abgrenzung der Leistungen anhand wissenschaftlicher Evidenz schwierig ist, sollte künftig eine stärkere Annäherung der Berufsgruppen angestrebt werden.

Item Type: Monograph (Project Report)
Uncontrolled Keywords: Psychotherapie, Sachleistungsversorgung, Clearing, Assessment
Subjects: OEBIG > Psychosoziale Gesundheit
Date Deposited: 18 Oct 2020 19:32
Last Modified: 18 Oct 2020 19:34
URI: https://jasmin.goeg.at/id/eprint/1521