BMSGPK (2022): Qualitätssysteme in selbstständigen Ambulatorien. Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Wien.

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Abstract

HINTERGRUND: Seit der Novellierung des Bundesgesetzes über Krankenanstalten und Kuranstalten im Jahr 2011 sind Krankenanstalten verpflichtet, an der österreichweiten Qualitätsberichterstattung teilzunehmen. Im Auftrag der Bundesgesundheitsagentur werden in regelmäßigen Abständen Informationen zu verschiedenen Qualitätsthemen, wie etwa Qualitätsmodelle, Patienten‐ und Mitarbeiterbefragungen, Beschwerde- und Risikomanagement der Krankenanstalten, über die webbasierte Plattform www.qualitaetsplattform.at erfasst. Im Jahr 2014 wurden Mindestanforderungen an Qualitätsmanagement für Gesundheitsdienstleister:innen festgelegt und veröffentlicht. Sie definieren die Mindestinhalte der Qualitätsarbeit und wurden ebenso in die Befragung integriert. Nach der erstmaligen Erhebung der Qualitätssysteme in selbstständigen Ambulatorien – aus rechtlicher Sicht Krankenanstalten – im Jahr 2018 wurde der Fragebogen 2020 überarbeitet. Ein wesentliches Ergebnis der Überarbeitung ist, dass bei der Erhebung der Qualitätssysteme sechs Fragebögen mit unterschiedlichem Fragenumfang zur Anwendung kommen. Die Anzahl der Fragen für die Einrichtungen hängt von ihren getätigten Angaben zu (nicht‐)ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Gesundheitsberufen sowie zur Leistungserbringung (mit bzw. ohne Patientenkontakt) ab. Auf Basis der Angaben einer Einrichtung wird der passende Fragebogen für die jeweilige Einrichtung generiert.***METHODE: Im Februar 2021 wurden alle selbstständigen Ambulatorien kontaktiert und zur gesetzlich verpflichtenden Teilnahme an der Berichterstattung für das Berichtsjahr 2020 aufgefordert. Nach Ablauf der offiziellen Eingabefrist und der anschließenden Urgenzphase wurde die Erhebung im Juni 2021 beendet. Die im vorliegenden Bericht dargestellten Ergebnisse beruhen auf Selbstbewertungen der Einrichtungen. Es wurden Häufigkeitsauszählungen und Prozentanteile berechnet.***ERGEBNISSE: Insgesamt waren 880 selbstständige Ambulatorien aufgefordert an der Qualitätsberichterstattung teilzunehmen. Von diesen 880 Einrichtungen haben 849 Einrichtungen (96,5 Prozent) den Fragebogen vollständig ausgefüllt und für die Auswertung freigegeben. Der vorliegende Bericht liefert eine österreichweite Zusammenfassung der Ergebnisse über die Qualitätssysteme der ausgewerteten selbstständigen Ambulatorien. Die Ergebnisse zeigen, dass verschiedene Aktivitäten gesetzt werden, um die Qualität der Arbeit sicherzustellen, z. B. durch die Verankerung eines Leitbilds und einer Qualitätsstrategie. Es lassen sich auch Verbesserungspotenziale in verschiedenen Themenbereichen identifizieren, beispielsweise könnte die Anzahl der ausgebildeten Mitarbeiter:innen mit einer speziellen Qualitäts- und/oder Risikomanagementausbildung erhöht werden. Zumindest 80 Prozent der Fragen, die als Mindestanforderungen an Qualitätsmanagement definiert wurden, erfüllen; 76 Prozent aller selbstständigen Ambulatorien in privater Eigentümerschaft/Rechtsträgerschaft und rund 66 Prozent aller selbstständigen Ambulatorien in öffentlicher Eigentümerschaft/Rechtsträgerschaft. Rund sechs Prozent (54 von 849 Einrichtungen) aller selbstständigen Ambulatorien erfüllen alle definierten Mindestanforderungen an Qualitätsmanagement. Aufgrund der Corona‐Pandemie war das Berichtsjahr 2020 ein außergewöhnliches Jahr für selbstständige Ambulatorien. Zum Teil waren Einrichtungen ruhend gestellt oder hatten weniger Wochen geöffnet als in den Jahren zuvor. Das führte dazu, dass beispielsweise Qualitätsmaßnahmen nicht planmäßig durchgeführt wurden.***Schlussfolgerung: Auch wenn bei der Erhebung keine 100‐prozentige Teilnahmequote erreicht werden konnte, bietet die erreichte Rücklaufquote von knapp 97 Prozent dennoch eine umfassende Grundlage, um die Ist‐Situation der selbstständigen Ambulatorien in Österreich und deren Angaben zu Qualitätsstrukturen und Qualitätsarbeit zu beschreiben. Einrichtungen und deren Rechtsträger:innen oder Eigentümer:innen können durch den Vergleich mit den bundesweiten Ergebnissen etwaige Verbesserungspotenziale für ihre eigene Qualitätsarbeit ableiten. Auch Entscheidungsträger:innen des Gesundheitswesens erhalten mit dem Bericht einen breiten Überblick und können diesen zur Entscheidungsunterstützung heranziehen. Um Veränderungen der Qualitätsaktivitäten in den selbstständigen Ambulatorien zu dokumentieren, wird die gesetzlich verpflichtende Qualitätsberichterstattung in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Der Fragebogen zum Qualitätssystem wird dazu vor einer erneuten Befragung auf Basis der Rückmeldungen der Einrichtungen und der Erfahrungen aus der letzten Befragung geprüft und gegebenenfalls optimiert.

Item Type: Other
Subjects: BIQG > Qualitätsmessung und Patientenbefragung
Date Deposited: 23 May 2022 11:48
Last Modified: 23 May 2022 11:48
URI: https://jasmin.goeg.at/id/eprint/2246