Buhmann, Vera; Piso, Brigitte; Fülöp, Gerhard; Lepuschütz, Lena (2018): Gesundheitsversorgung. Regionale Unterschiede. Atlanten im Überblick. 17. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 10. bis 12. Oktober 2018, Berlin.

[img] Text
Gesundheitsversorgung_RegionaleUnterschiede.pdf

Download (705kB)
Official URL (please open in a new browser tab/window): https://www.egms.de/static/de/meetings/dkvf2018/18...

Abstract

Regionale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung – Versorgungsatlanten im Überblick. Hintergrund: Anforderungen an eine sichere und effiziente medizinische Versorgung steigen stetig, der demographische Wandel, steigende Gesundheitsausgaben und insbesondere die Versorgungsunterschiede in und zwischen den Staaten stellen die Gesundheitssysteme industrialisierter Länder vor große Herausforderungen. Ungerechtfertigte regionale Variationen, die sich nicht aus dem realen Bedarf und/oder oder den Patienten-Präferenzen ergeben, müssen hinsichtlich der Patientensicherheit und Qualität sowie der Gerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung identifiziert und reduziert werden. Solche Variationen in Richtung hypothetischer Überversorgung verursachen laut OECD Leistungen und Prozesse, die entweder schädlich oder ohne Nutzen sind. Die OECD führt die Erstellung von „Versorgungsatlanten“, die Hinweise auf medizinisch nicht gerechtfertigte regionale Variationen liefern können, als eine mögliche Gegenmaßnahme an. *** Fragestellungen: In welchen Industrieländern sind Versorgungsatlanten verfügbar, die regionale Versorgungsunterschiede bei chirurgisch-operativen Interventionen darstellen, in welcher Form wurden diese veröffentlicht? Welche Operationen wurden für die Versorgungsatlanten ausgewählt und zeigt der Vergleich der Versorgungsatlanten eine Häufung an bestimmten Operationen, die analysiert wurden? *** Methode: Die Recherche nach internationalen Versorgungsatlanten erfolgte mittels Stichwortsuche (wie „Versorgungsat-“, „regional variations in healthcare“, „Versorgungsqualität“) in Datenbanken und auf Websites (z.B. http://www.oecd.org, http://wennbergcollaborative.org/). Bei Bedarf wurden vertiefende Informationen via E-Mail bei internationalen Public Health Instituten eingeholt. Die Erhebung wurde durch eine parallele selektive Literatursuche u.a. in "PubMed" und im "European Journal of Public Health" unterstützt. Der Fokus der Recherche lag auf dem europäischen Raum, es wurden jedoch auch Atlanten aus anderen Industrienationen inkludiert. Die Extraktion der Informationen erfolgte in ein vorab entwickeltes Datenextraktionsschema. *** Ergebnisse: Insgesamt konnten 12 Atlanten, die Versorgungsunterschiede chirurgisch-operativer Interventionen analysieren, identifiziert werden (aus Belgien, Deutschland (2), Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Norwegen, Spanien, der Schweiz sowie aus Australien, Neuseeland und den USA). Die Atlanten sind häufig als nationale Berichte verfügbar, eine interaktive Anwendung bieten neun der Atlanten. Insgesamt analysieren die 12 Atlanten regionale Versorgungsunterschiede von rund 60 verschiedenen Operationen in neun verschiedenen ICD-10 Kategorien. Für den Indikationsbereich „Erkrankungen des Verdauungssystems“ führen die Hälfte der Atlanten entsprechende Operationen an (je 6/12: Appendektomie, Cholezystektomie). In der Kategorie „Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett“ wird die Sectio ebenso in sechs der 12 Atlanten dargestellt. Etwas weniger häufig ver-treten ist die Analyse der Tonsillektomie, der Hüft- und Knie-Totalendoprothetik, der Operationen an der Wirbelsäule sowie der Hysterektomie und Prostatektomie (in je 5 von 12 Atlanten). *** Diskussion: Die Übereinstimmung bzw. die Häufigkeit der ausgewählten, analysierten Operationen weisen darauf hin, dass sich die Industrieländer mit ähnlichen Thematiken auseinander setzen. Im Kontext der Versorgungsforschung ist die Vermeidung von Unter-, Über- und Fehlversorgung für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung essentiell. Die Problematik wird durch die Darstellung geografischer Unterschiede nicht gelöst, jedoch können prioritäre Bereiche, für die Chancen auf Nutzensteigerung und Qualitätsverbesserung bestehen, aufgezeigt werden. Praktische Implikation: Die Atlanten zeigen die Unterschiede in der Gesundheitsversorgung bzw. in der Häufigkeit der Leistungserbringung auf, betonen somit die Bedeutung der Thematik und geben schließlich Hinweise darauf, dass es für ein Gesundheitssystem im Sinne der Patientensicherheit lohnend ist, Versorgungsatlanten zu entwickeln.

Item Type: Conference or Workshop Item (Poster)
Subjects: BIQG > Qualitätsmanagement und Patientensicherheit
Date Deposited: 28 Mar 2019 13:06
Last Modified: 28 Mar 2019 13:06
URI: https://jasmin.goeg.at/id/eprint/604