Busch, Martin; Anzenberger, Judith (2018): Cross-Indicator-Analyse als Weg zur rationalen Beurteilung der Drogensituation in Österreich. Deutscher Suchtkongress, 16. September 2018, Hamburg.

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Abstract

EINLEITUNG: Sucht ist, insbesondere wenn es um illegale Substanzen geht, ein emotional besetztes Thema. Dies spiegelt sich auch in mancher Medienberichterstattung wider, die spezifische Aspekte von Sucht hervorhebt und überinterpretiert (z. B. drogenbezogene Todesfälle) und – ohne den Gesamtkontext zu berücksichtigen – die Drogensituation unreflek-tiert dramatisiert. Um diesen „Mythen“ entgegenzuwirken, ist ein umfassendes und fundiertes Drogenmonitoring notwendig, welches die Basis für eine rationale Beurteilung der Drogensituation und letztlich auch für eine rationale Drogenpolitik darstellt. METHODE: In Österreich wurde im Bereich illegale Drogen in den letzten 20 Jahren ein umfassendes Monitoring implementiert. Dieses beinhaltet u. a. Behandlungen (Personen in Substitutionsbehandlung sowie Klientinnen/Klienten in Einrichtungen der Suchthilfe), Prävalenzschätzungen des risikoreichen Drogenkonsums, drogenbezogene Todesfälle, gesundheitsbezogene Maßnahmen nach § 12 Suchtmittelgesetz, Anzeigen wegen Suchtmitteln und Daten zu drogenassoziierten Infektionskrankheiten. Jährlich werden diese Daten im Rahmen einer Cross-Indicator-Analyse in Zusammenschau interpretiert. ERGEBNIS: Anfang der 2000er-Jahre gab es einen starken Anstieg der drogenbezogenen Todesfälle. Mangels anderer Datenquellen mit guter Qualität war es damals nicht möglich, die daraus resultierende Diskussion auf eine rationale Basis zu stellen. Rückblickend ist der damalige Anstieg in Zusammenhang mit vielen Personen, die neu in den Opioidkonsum eingestiegen sind, zu sehen. Auch in den letzten Jahren lässt sich ein Anstieg der drogenbezogenen Todesfälle beobachten. Dieser ist jedoch anders zu interpretieren, da fast alle verfügbaren Daten des Drogenmonitorings auf einen Rückgang des risikoreichen Opioidkonsums bei den unter 25-Jährigen schließen lassen (weniger Einsteigerinnen und Einsteiger). Es zeigt sich deutlich eine „Alterung“ der Population, die sich im gestiegenen Durchschnittsalter auch bei den drogenbezogenen Todesfällen widerspiegelt. Durch das höhere Alter der Konsumentinnen/Konsumenten kommt es leichter zu tödlichen Überdosierungen, worauf der Anstieg der drogenbezogenen Todesfälle seit 2014 teilweise zurückgeführt werden kann. SCHLUSSFOLGERUNG: Es ist gelungen in Österreich ein Drogenmonitoring zu etablieren, das es ermöglicht epidemiologische Trends zu erkennen und zu interpretieren.

Item Type: Conference or Workshop Item (Poster)
Subjects: OEBIG > Kompetenzzentrum Sucht
Date Deposited: 28 Apr 2019 10:48
Last Modified: 28 Apr 2019 10:48
URI: https://jasmin.goeg.at/id/eprint/731