Sagerschnig, Sophie; Sackl, Anita; Valady, Sonja (2023): Ausbildungsstatistik 2022. Daten zum Ausbildungsgeschehen in Psychotherapie, Klinischer Psychologie und Gesundheitspsychologie in Österreich. Gesundheit Österreich, Wien.

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Abstract

AUFGABENSTELLUNG: Entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen des Psychotherapiegesetzes und des Psychologengesetzes 2013 sind die Ausbildungsanbieter des psychotherapeutischen Propädeutikums, des psychotherapeutischen Fachspezifikums sowie der theoretischen Ausbildung in Klinischer Psychologie und Gesundheitspsychologie dazu verpflichtet, jährlich über die Ausbildungskandidatinnen und ‐kandidaten, das Lehrpersonal und die Lehrtätigkeit im vorangegangenen Jahr zu berichten. Diese Daten werden im Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK, ehemals BMASGK) durch die Gesundheit Österreich GmbH ausgewertet, gewartet und archiviert. Der jährliche Bericht stellt eine wichtige Arbeitsgrundlage für das BMSGPK, den Psychologenbeirat und den Psychotherapiebeirat dar und bietet den an einer Ausbildung Interessierten die Möglichkeit, Anbieter miteinander zu vergleichen. ***METHODE: Der vorliegende Bericht fußt auf einer routinemäßigen Erhebung mittels Tätigkeitsberichten und standardisierter Erhebungsblätter unter den anerkannten Ausbildungseinrichtungen für das psychotherapeutische Propädeutikum (25 Einrichtungen), das psychotherapeutische Fachspezifikum (47 Einrichtungen) sowie für die Ausbildung in Klinischer Psychologie und Gesundheitspsychologie
nach dem Psychologengesetz 2013 (9 Einrichtungen).
Ergebnisse
Psychotherapeutisches Propädeutikum: Mit Stand 1. Juni 2022 waren 5.041 Personen in einem psychotherapeutischen Propädeutikum in Ausbildung, wobei der Frauenanteil bei rund 78 Prozent lag. Die Anzahl der Ausbildungskandidatinnen und ‐kandidaten erhöht sich seit 2002 jährlich. Im vergangenen Berichtsjahr wurden 1.824 Aufnahmen, 953 Ausbildungsabschlüsse und 358 Ausbildungsabbrüche verzeichnet. Psychotherapeutisches Fachspezifikum: Mit Stand 1. Juni 2022 befanden sich insgesamt 4.745
Personen in einer fachspezifischen Psychotherapieausbildung, davon waren mehr als drei Viertel (rund 78 %) weiblich. Im vergangenen Berichtsjahr wurden 791 Personen in die fachspezifische Ausbildung aufgenommen, 476 schlossen sie ab und 105 Personen schieden ohne Abschluss aus.
Aufnahmen und Abschlüsse im psychotherapeutischen Fachspezifikum sind längerfristig gestiegen. In Hinblick auf die Quellberufe sind über die Jahre eine Abnahme der Zahl der Personen mit einem medizinischen Quellberuf und eine Zunahme der Zahl der per Bescheid zugelassenen Personen zu verzeichnen. Theoretische Ausbildung in Klinischer Psychologie und Gesundheitspsychologie: Am 1. August
2022 befanden sich 406 Personen im Grundmodul der Ausbildung in Klinischer Psychologie und Gesundheitspsychologie, 386 Personen absolvierten ausschließlich das Aufbaumodul in Klinischer Psychologie und 53 Personen ausschließlich das Aufbaumodul in Gesundheitspsychologie. Sechs
Personen absolvierten beide Aufbaumodule. Der Frauenanteil betrug je nach Modul zwischen 81 und 85 Prozent. Im Berichtsjahr 2021/2022 wurden 245 Personen neu in die Ausbildung (d. h. in das Grundmodul) aufgenommen, 267 begannen mit dem Aufbaumodul Klinische Psychologie und
37 mit dem Aufbaumodul Gesundheitspsychologie. 292 Personen schlossen das Grundmodul ab,
256 Personen das Aufbaumodul in Klinischer Psychologie und 19 Personen jenes in Gesundheitspsychologie. Im Grundmodul und in den beiden Aufbaumodulen zusammen gab es im aktuellen
Berichtsjahr 13 Ausbildungsabbrüche. ***SCHLUSSFOLGERUNGEN: Aufgrund der über die Jahre kontinuierlich zunehmenden Anzahl von Personen, die ein Propädeutikum bzw. ein Fachspezifikum abschließen, kann damit gerechnet werden, dass in den nächsten Jahren die Anzahl der Personen mit einer psychotherapeutischen Ausbildung in Österreich weiter
zunimmt. Sämtliche Ausbildungsangebote sind überproportional häufig in Ballungszentren angesiedelt bzw. werden überproportional häufig von Personen mit Wohnsitz in Wien wahrgenommen, daher ist zu vermuten, dass die Zunahme regional ungleich verlaufen wird. Der Anteil der Frauen
ist in der Psychotherapieausbildung noch etwas höher als unter den bereits in der Psychotherapie Tätigen. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass der Psychotherapeutische Beruf auch in Zukunft hauptsächlich von Frauen ausgeübt wird. Außerdem lässt der immer größere Anteil von Personen, die per Bescheid zur Ausbildung zugelassen werden, die Heterogenität der Quellberufe
zunehmen. Die im Rahmen des Psychologengesetzes 2013 in Kraft getretenen Änderungen in der Ausbildung
in Klinischer Psychologie und Gesundheitspsychologie (in Hinblick auf Voraussetzungen, Umfang und Aufbau der Ausbildung) zeigten (zumindest kurzfristig) große Auswirkungen auf das Ausbildungsgeschehen – sowohl was die Anzahl der Personen in Ausbildung als auch die Abschlüsse
betrifft. Der starke Anstieg der Neuanmeldungen für die Ausbildung im Berichtsjahr 2013/2014 und auch der starke Anstieg der Abschlüsse im Berichtsjahr 2014/2015 hingen damit zusammen, dass viele Personen die Ausbildung noch vor dem Inkrafttreten der neuen Ausbildungsordnung
gemäß dem Psychologengesetz 2013 absolvieren wollten. Während die Anzahl der Ausbildungskandidatinnen und ‐kandidaten nach sehr geringen Werten 2015/2016 und 2016/2017 wieder deutlich zunahm, lag die Zahl der Abschlüsse im Vergleich zum Zeitraum vor der Gesetzesänderung in den letzten Jahren noch auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Im aktuellen Berichtsjahr
ist die Anzahl an Abschlüssen etwas niedriger als im letzten Jahr, wobei diese deutlich höher als im Berichtsjahr 2019/2020 ist. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Trend fortsetzen wird. Die im Vergleich zum Aufbaumodul in Klinischer Psychologie weiterhin sehr geringe Anzahl der Teilnehmer:innen im Aufbaumodul Gesundheitspsychologie lässt vermuten, dass auch zukünftig vergleichsweise weniger Personen diese Ausbildung abschließen werden und somit zukünftig das Angebot an ausgebildeten Personen im Bereich Gesundheitspsychologie jenes von Ausgebildeten
im Bereich Klinische Psychologie deutlich unterschreiten wird. Darüber hinaus spricht der überproportional hohe Anteil der Ausbildungskandidatinnen und ‐kandidaten in Klinischer Psychologie und Gesundheitspsychologie mit Wohnsitz in Wien dafür, dass das Angebot an Absolventinnen
und Absolventen regional unterschiedlich wachsen wird.

Item Type: Monograph (Project Report)
Uncontrolled Keywords: Ausbildungsstatistik; Psychotherapieausbildung; Psychologenausbildung
Subjects: OEBIG > Psychosoziale Gesundheit
Date Deposited: 12 Jun 2023 13:43
Last Modified: 12 Jun 2023 13:43
URI: https://jasmin.goeg.at/id/eprint/2871