Schwarz, Tanja (2026): Opioid-Agonisten-Therapie in Österreich: Quo vadis? 28. Substitutions-Forum, 10. Mai 2026, Mondsee.
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Hintergrund
Die Opioid-Agonisten-Therapie (OAT) ist seit fast vier Jahrzehnten eine zentrale Säule der Versorgung opioidabhängiger Menschen in Österreich. Seither haben sich sowohl die behandelte Population als auch das verfügbare Substanzspektrum erheblich verändert. Österreich nimmt dabei im europäischen Vergleich eine Sonderstellung ein: Mit einem breiten Substanzportfolio, hoher Behandlungsabdeckung und -retention und einem hohen Anteil retardierter Morphine unterscheidet sich das österreichische System deutlich von den meisten anderen europäischen Ländern.
Ziel und Methode
Der Vortrag stellt die epidemiologische und strukturelle Entwicklung der OAT in Österreich im Zeitverlauf dar, mit besonderem Fokus auf Substanzwahl, Altersstruktur und Geschlechterverteilung. Grundlage bilden Daten aus dem nationalen Substitutionsregister (eSuchtmittel). Ergänzend werden vorläufige Ergebnisse einer Mortalitätskohortenanalyse vorgestellt und der internationale Kontext einbezogen.
Ergebnisse
Nach einem starken Anstieg in den 2000er Jahren liegt die Zahl der jährlich in OAT befindlichen Personen bei rund 20.000. Die Population altert dabei, sehr junge Personen sind hingegen selten im Behandlungssystem vertreten. Rezent scheint es eine Gruppe junger Menschen mit chaotischen Konsummustern (oft mit Beteiligung von Opioiden) zu geben, die von der Suchthilfe bzw. auch der OAT nicht erreicht wird. Österreich setzt in der Substanzwahl stark auf SROM (2024: 58 %, gegenüber ca. 10 % im europäischen Durch-schnitt), wobei diese nach Altersgruppe und auch Bundesland variiert. Die Ergebnisse einer Mortalitätskohortenanalyse zeigen eine deutlich erhöhte Gesamtmortalität gegenüber der Allgemeinbevölkerung, die aber im internationalen Vergleich niedriger ist als in vielen anderen Ländern. Mit steigendem Alter verschiebt sich auch bei (ehemaligen) OAT-Patient:innen das Todesursachenprofil von substanzbezogenen und externen Ursachen hin zu kardiovaskulären, onkologischen und anderen chronischen Erkrankungen.
Schlussfolgerung
Daten aus Österreich und anderen europäischen Ländern zeigen eine zunehmend alternde OAT-Population, deren Mortalitätsprofil sich von substanzbezogenen hin zu chronischen somatischen Erkrankungen verschiebt und deren Versorgungsbedarfe über das engere Feld der Suchtmedizin hinausreichen. Gleichzeitig sind sehr junge Menschen im Suchthilfesystem derzeit kaum vertreten. Vor diesem Hintergrund zeichnen sich neue Anforderungen an die künftige Ausrichtung der Behandlungs- und Unterstützungsangebote ab.
| Item Type: | Conference or Workshop Item (Speech) |
|---|---|
| Uncontrolled Keywords: | OAT, Substitution, Mortalität |
| Subjects: | Kompetenzzentrum Sucht |
| Date Deposited: | 12 May 2026 10:53 |
| Last Modified: | 12 May 2026 10:53 |
| URI: | https://jasmin.goeg.at/id/eprint/5553 |