Schwarz, Tanja (2026): Wege in die Suchtforschung: eine retrospektive Fallstudie + Mortalität und Todesursachen bei Personen in Opioid-Agonisten-Therapie: Ergebnisse aus Österreichs nationaler Kohorte. 26. Interdisziplinärer Kongress für Suchtmedizin in München (Symposium für Nachwuchsforschende), 3. Juli 2026, München
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Hintergrund
Opioidabhängigkeit ist mit erhöhter Mortalität verbunden, die sowohl drogenbezogene und externe Ursachen als auch chronisch-somatische Erkrankungen umfasst. Die Opioid-Agonisten-Therapie (OAT) reduziert nachweislich das Sterberisiko. In vielen europäischen Ländern, darunter auch Österreich, altern OAT-Populationen zunehmend, wodurch nichtübertragbare Erkrankungen einen wachsenden Anteil der Todesursachen ausmachen.
Ziel
Ziel war es, Mortalität und Todesursachen von Personen, die im Beobachtungszeitraum eine OAT begonnen haben, zu untersuchen und mit jener der Allgemeinbevölkerung zu vergleichen.
Methode
Die retrospektive Kohortenstudie umfasste alle 26.031 im bundesweiten Substitutionsregister erfassten Personen (76 % Männer) mit OAT-Beginn zwischen 2002 und 2019, verknüpft mit dem Todesursachenregister (Follow-up bis Ende 2021). Berechnet wurden geschlechtsspezifische altersstandardisierte Mortalitätsraten (ASMR) pro 100.000 Personenjahre auf Basis der Europäischen Standardbevölkerung 2013, altersstandardisierte Ratenverhältnisse (SRR) sowie ursachenspezifische standardisierte Mortalitätsverhältnisse (SMR) im Vergleich zur österreichischen Allgemeinbevölkerung.
Resultate
Über 278.960 beobachtete Personenjahre wurden 2.358 Todesfälle erfasst. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung zeigte sich eine deutlich erhöhte Mortalität über alle Todesursachen, wobei die Übersterblichkeit bei Frauen (SRR 7,1; 95-%-KI 6,5-7,7) stärker ausgeprägt war als bei Männern (3,9; 3,7-4,0). Neben drogenbezogenen Ursachen fanden sich die höchsten SMR für virale Hepatitis (63,8; 52,3-77,8), HIV (48,6; 39,0-60,6) sowie Klappenerkrankungen und Endokarditis (28,4; 18,6-43,6). Ab den mittleren 40ern übersteigen nichtübertragbare Erkrankungen in der Summe drogenbezogene Todesursachen.
Schlussfolgerung
Die österreichische OAT-Kohorte weist über alle Todesursachen hinweg eine deutlich erhöhte Mortalität auf, mit besonders hoher relativer Übersterblichkeit für drogenbezogene, infektiöse und leberbedingte Erkrankungen. Mit dem Älterwerden der OAT-Population gewinnen nichtübertragbare Erkrankungen als Todesursache zunehmend an Bedeutung. Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Versorgungsbedarfe dieser Population über das engere Feld der Suchtmedizin hinausreichen und integrierte Versorgungsmodelle erforderlich sind, die vorzugsweise im Rahmen der OAT angeboten werden und neben der Suchtbehandlung auch infektiöse, kardiovaskuläre und andere chronisch-somatische Erkrankungen adressieren.
| Item Type: | Conference or Workshop Item (Speech) |
|---|---|
| Uncontrolled Keywords: | Symposium für Nachwuchsforschende, Suchtkongress München, |
| Subjects: | Kompetenzzentrum Sucht |
| Date Deposited: | 24 Jul 2026 09:48 |
| Last Modified: | 24 Jul 2026 09:48 |
| URI: | https://jasmin.goeg.at/id/eprint/5646 |