Mayer, Lisa Katharina; Diez, Jessica (2026): Soziale Medien und psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen – Auswirkungen und Handlungsempfehlungen für Österreich. Gesundheit Österreich, Wien.

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Abstract

Hintergrund
Soziale Medien sind ein zentraler Bestandteil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Der Bericht untersucht Zusammenhänge zwischen der Nutzung sozialer Medien und der psychosozialen Gesundheit junger Menschen und leitet daraus Ansatzpunkte für mögliche Präventions-, Gesundheitsförderungs- und Regulierungsmaßnahmen in Österreich ab.

Methode
Der Bericht basiert auf einer orientierenden Literaturrecherche (2015–2025), mittels elektronischer Datenbank (PubMed) und Handsuche zu psychosozialen Auswirkungen sozialer Medien bei Kindern und Jugendlichen sowie auf der Analyse internationaler Präventions-, Regulierungs- und Interventionsmaßnahmen. Neben empirischen Studien wurden Berichte internationaler Organisationen (u. a. WHO, OECD) und internationale Praxisbeispiele, einschließlich schulischer Nutzungsbeschränkungen und regulatorischer Maßnahmen, berücksichtigt und für den österreichischen Kontext eingeordnet.

Ergebnisse
Insgesamt wurden 145 Quellen identifiziert und umfassen überwiegend internationale wissenschaftliche Studien, systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen aus den Jahren 2015–2025 sowie ergänzend Policy-, Strategie- und Praxisberichte, die sich mit den psychosozialen Auswirkungen sozialer Medien auf Kinder und Jugendliche sowie mit präventiven, bildungsbezogenen und regulatorischen Maßnahmen auf individueller, sozialer und struktureller Ebene befassen. Die Befunde zeigen ein komplexes und differenziertes Wirkungsbild. Die psychosoziale Gesundheit wird nicht allein durch die Nutzungsdauer beeinflusst, sondern insbesondere durch Nutzungsformen, Inhalte und individuelle Voraussetzungen. Problematische Nutzung steht in Zusammenhang mit erhöhten Risiken für depressive Symptome, Angst, Schlafprobleme und soziale Rückzüge, insbesondere im Kontext passiver und vergleichsorientierter Nutzung sowie bei bestimmten Personengruppen wie jüngeren Jugendlichen oder psychosozial belasteten und marginalisierten Jugendlichen. Gleichzeitig können sozial eingebundene und aktive Nutzungsformen mit positiven Funktionen verbunden sein, z. B. durch soziale Unterstützung, Zugehörigkeit und emotionale Entlastung. Weiters zeigt die Literatur, dass die Stärkung der psychosozialen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Kontext sozialer Medien vor allem durch mehrdimensionale Maßnahmen gelingt. Zentrale Ansatzpunkte sind die Förderung digitaler und sozial‑emotionaler Kompetenzen, die Stärkung unterstützender Beziehungen in Familie, Schule und Peergroups, die partizipative Einbindung junger Menschen sowie strukturelle und regulatorische Maßnahmen, die digitale Umgebungen altersgerecht, transparent und sicher gestalten.

Schlussfolgerungen
Die Evidenz weist darauf hin, dass wirksame Präventionsmaßnahmen einen kombinierten Ansatz aus Kompetenzförderung, unterstützenden strukturellen Rahmenbedingungen und regulatorische Maßnahmen erfordern. Internationale Strategien berücksichtigen sowohl Bildungs- und Unterstützungsangebote als auch strukturelle und regulatorische Ansätze, darunter Kinderschutzstandards, Alters- und Werberegulierung sowie Fragen der Plattformverantwortung. Internationale Erfahrungen deuten darauf hin, dass kontextbezogene Einschränkungen, beispielsweise Handyregelungen, zur Reduktion psychosozialer Belastungen beitragen können, sofern sie pädagogisch eingebettet und durch begleitende Maßnahmen ergänzt werden.
Für Österreich ergeben sich daraus mehrdimensionale Handlungsempfehlungen, die präventive Maßnahmen, Kompetenzförderung, Schutzregelungen bzw. regulatorische Instrumente umfassen. Entscheidend ist, dass Schutzmaßnahmen nicht isoliert, sondern in ganzheitliche, chancengerechte Präventionsstrategien eingebettet werden, die sowohl Risiken begrenzen als auch die positiven Potenziale sozialer Medien gezielt nutzen.

Item Type: Monograph (Project Report)
Uncontrolled Keywords: Soziale Medien, Kinder und Jugendliche, psychosoziale Gesundheit, Nutzungsdauer, problematische Nutzung, Prävention, Gesundheitsförderung
Subjects: Gesundheit, Gesellschaft und Chancengerechtigkeit
Date Deposited: 29 Apr 2026 12:17
Last Modified: 29 Apr 2026 12:17
URI: https://jasmin.goeg.at/id/eprint/5530