Ecker-Shibamori, Sandra; Winkler, Petra; Gaiswinkler, Sylvia; Delcour, Jennifer; Wosko, Paulina (2025): Gesundheit älterer Menschen in Österreich. Gesundheitsbericht. Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK), Wien.
Gesundheit_aelterer_Menschen_in_Oesterreich_bf.pdf
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Abstract
Hintergrund
Gesundheitsberichte stellen eine Grundlage für gesundheitspolitisches Handeln dar, weil darin der Gesundheitszustand der Bevölkerung, relevante Einflussfaktoren und die Versorgungssituation auf Basis aktueller Daten systematisch dargestellt und analysiert werden. Ziel ist es, auf Basis der daraus resultierenden Erkenntnisse Maßnahmenempfehlungen zur Förderung der Gesundheit und zur Verbesserung der Versorgung zu entwickeln. Der vorliegende Gesundheitsbericht widmet sich der Gesundheit der älteren Bevölkerung in Österreich (65 Jahre und älter). Laut Prognosen wird bis 2040 etwa ein Viertel der österreichischen Bevölkerung über 65 Jahre alt sein. Vor dem Hintergrund einer steigenden Lebenserwartung gewinnt diese Bevölkerungsgruppe zunehmend an gesellschaftlichem und gesundheitspolitischem Gewicht. Die höhere Lebenserwartung eröffnet neue Möglichkeiten der Teilhabe und des Engagements im Alter. Gleichzeitig steigt mit dem Alter die Wahrscheinlichkeit, von chronischen Erkrankungen, funktionalen Einschränkungen und Pflegebedarf betroffen zu sein. Um diesen Herausforderungen zu begegnen und die Potenziale des Alters voll entfalten zu können, ist ein ganzheitlicher Blick auf Gesundheit erforderlich. Vorliegender Bericht betrachtet Gesundheit somit im Zusammenspiel von Verhältnissen, individuellen Verhaltensweisen, der Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung.
Methoden
Der Gesundheitsbericht stützt sich auf eine Sekundärdatenanalyse, vor allem von Routinestatistiken aus dem Gesundheitsbereich, die unter anderem die Analyse der Ergebnisse von nationalen Gesundheitsbefragungen, Registerdaten und Einzelstudien miteinander kombiniert. Ergänzt wird die Analyse quantitativer Daten durch qualitative Einschätzungen von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis sowie durch die Auswertung von in Fokusgruppen mit älteren Menschen erhobenen qualitativen Daten. Dieser Ansatz wurde gewählt, um ein möglichst differenziertes Bild der gesundheitlichen Lage der älteren Menschen in Österreich zu zeichnen und daraus konkrete Handlungsbedarfe ableiten zu können.
Ergebnisse
Der Gesundheitszustand älterer Menschen wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Auf der Verhältnisebene spielen sozioökonomische Faktoren wie Bildung, Einkommen, soziale Teilhabe und Migrationshintergrund eine zentrale Rolle. Bildung und Einkommen beeinflussen Lebenserwartung und die Anzahl gesunder Lebensjahre maßgeblich. Geringe formale Bildung, die oftmals mit niedrigem Einkommen einhergeht, erhöht wiederum das Risiko für chronische Erkrankungen, funktionale Einschränkungen und Pflegebedarf. Soziale Beziehungen wirken protektiv, während Einsamkeit Morbidität und Mortalität steigert. Auf der Verhaltensebene sind u. a. Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Alkoholkonsum oder Rauchen wesentliche Risikofaktoren. Nur ein kleiner Teil der älteren Bevölkerung erfüllt die Bewegungsempfehlungen oder ernährt sich gesund. Männer zeigen häufiger Risikoverhalten, etwa durch erhöhten Alkohol- und Nikotinkonsum; zugleich steigt die Quote rauchender älterer Frauen, was zu einer steigenden Lungenkrebsinzidenz führt. 70 Prozent der ab 65-Jährigen leiden an mehreren chronischen Erkrankungen / Gesundheitsproblemen, die oftmals verhinderbar wären, allen voran Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Arthritis sowie Demenz. Depressionen betreffen rund 7 Prozent der ab 65-Jährigen, wobei mit steigendem Alter die Rate zunimmt, ebenso das Suizidrisiko, das bei älteren Männern besonders hoch ist. Die fernere Lebenserwartung beträgt mit 65 Jahren 18,4 Jahre für Männer und 21,6 Jahre für Frauen, doch nur etwa die Hälfte davon wird in guter Gesundheit verbracht. Frauen leben zwar länger als Männer, verbringen jedoch im Verhältnis mehr Jahre in schlechter Gesundheit. Frauen sind außerdem stärker von Altersarmut betroffen, dies wirkt sich wiederum negativ auf ihre Gesundheit aus. Regional zeigen sich Unterschiede im Gesundheitszustand älterer Menschen: Westliche Bundesländer weisen eine höhere Lebenserwartung auf, verzeichnen aber auch zunehmend negative Trends wie steigende Raten von Lungenkrebs und Diabetes. Gesundheitsförderung ist ein zentrales Handlungsfeld für gesundes Altern. Viele Erkrankungen wie Demenz, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depression können durch Gesundheitsförderungsmaßnahmen vermieden oder verzögert werden; auch der Krankheitsverlauf kann positiv beeinflusst werden. Maßnahmen zielen insbesondere auf die Förderung sozialer Teilhabe ab, um Einsamkeit zu vermeiden, was sich positiv auf die Gesundheit auswirkt. Die Förderung positiver Altersbilder hilft, Altersdiskriminierung zu vermindern und Selbstwirksamkeit, Motivation sowie gesellschaftliche Teilhabe zu fördern. Negative Stereotype hingegen führen zu Marginalisierung, Rückzug, verringerter Teilhabe, Einsamkeit und gesundheitlichen Risiken. Die Förderung von gesunder Bewegung und Ernährung im Alter sind weitere wichtige Handlungsfelder der Gesundheitsförderung.
Die medizinische, pflegerische und therapeutische Versorgung älterer Menschen ist komplex und oftmals fragmentiert. Von zentraler Bedeutung sind integrierte, interprofessionelle Versorgungsmodelle, die reibungslose Übergänge zwischen Versorgungsebenen sicherstellen und insbesondere die Förderung der funktionalen Gesundheit und somit die Selbstbestimmung als Ziel haben. Die Rolle informeller Pflege durch Angehörige ist zentral, jedoch mit hohen Belastungen verbunden.
Schlussfolgerungen
Die Gesundheit älterer Menschen in Österreich wird maßgeblich durch ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren bestimmt. Die steigende Lebenserwartung geht mit einer hohen Krankheitslast und funktionalen Einschränkungen einher. Besonders deutlich zeigt sich der Einfluss sozioökonomischer Ungleichheiten. So sind etwa Bildung und Einkommen entscheidend für die Anzahl gesunder Lebensjahre. Gesundheitsförderung im Alter leistet einen Beitrag zur Gestaltung altersfreundlicher Lebenswelten und sozialer Teilhabe und zum Abbau negativer Altersbilder. Sie adressiert etwa gesundheitsförderliches Verhalten wie die Förderung von Bewegung und gesunder Ernährung und wirkt durch Förderung der sozialen Teilhabe Einsamkeit und deren gesundheitlichen Folgen entgegen. Positive Altersbilder sind ein Schlüssel zur Stärkung von Selbstwirksamkeit und zur Reduktion von Diskriminierung. Integrierte, multiprofessionelle Versorgungssysteme sowie gesundheitsfördernde und präventive Maßnahmen mit dem Ziel, Wohlbefinden und die funktionale Gesundheit zu erhalten und zu fördern, sind wesentlich, um die Anzahl der gesunden Lebensjahre zu erhöhen. Bei der Entwicklung von Maßnahmen und Angeboten sollten Einflussfaktoren wie Bildung, Einkommen, Migrationshintergrund oder Geschlecht systematisch berücksichtigt werden. Wesentlich sind Versorgungsmodelle, die medizinische, pflegerische, therapeutische und soziale Leistungen bündeln und eine nahtlose Koordination zwischen den verschiedenen Versorgungsebenen sicherstellen. Dabei spielen insbesondere mobile und aufsuchende Dienste eine zentrale Rolle, um Menschen mit Pflegebedarf ein Leben im gewohnten Umfeld zu ermöglichen. Die Langzeitpflege muss als dynamischer Prozess verstanden und personell gestärkt werden.
| Item Type: | Monograph (Project Report) |
|---|---|
| Subjects: | Gesundheit, Gesellschaft und Chancengerechtigkeit |
| Date Deposited: | 13 Feb 2026 06:00 |
| Last Modified: | 13 Feb 2026 06:00 |
| URI: | https://jasmin.goeg.at/id/eprint/5181 |